Samstag, 21. November 2015

7 Tage / 7 Songs

Es ist bereits spät! Doch Teil fünf der Mini-Serie birgt eines, wenn nicht sogar DAS beste je in deutscher Sprache verfasste Stück Musik, das mir bekannt ist.
Der Chronologie meines Lebens folgend, widmet sich das 5/7 der intensiven Zeit in Berlin. Ich war gerade aus Wien zurück, einer unrühmlichen Passage und die für mich eindringlichste Art von Tiefpunkt. Ich lernte die Liebe, diese Stadt und mich selbst so sehr hassen, dass ich vieles für verloren hielt. Doch ließen neue Wege und die dazu passenden Menschen nicht lange auf sich warten. Ich zog nach Leipzig, erholte mich. In dieser Zeit des Neubeginns war es eine handvoll Herrschaften (und eine Turmbewohnerin), die mich der Hauptstadt und mir selbst wieder näher brachten. So oft ich auch nach Berlin fuhr, ich werde niemals oft genug da gewesen sein. Untrennbar damit verbunden, mit dieser tiefempfunden freundschaftlichen Liebe, sind zwei Lieder. Ganz besonders und beängstigend wegweisend, war eine S-Bahn-Fahrt durchs großstadtbelichterte Berlin. Draußen huschte Kreuzberg an uns vorbei, drinnen herrschte ein regsames Begängnis und in unseren Ohren hallten Frank Spilkers Wort beschwörerisch:

Nicht grad die schönste Zeit um zu verschwinden doch
gut zu wissen dass man Schutz finden kann irgendwo

Ich hab nichts von Veränderung gemerkt 

hab nur gehört dass es kracht
wenn man die Augen wieder aufmacht
ist es Nacht oder was gibts hier zu sehen
ich kann alles verstehen
wie lang soll ich bleiben?

Es hat keinen Sinn zu warten bis es besser wird
Das bisschen besser wär das Warten nicht wert
Das war es! Es war so einfach und plötzlich war der Schritt vom Erkennen hin zur Erkenntnis getan. Das Tal war durchschritten, es war Zeit nach oben zu krabbeln und die volle Breitseite Berlinleben einzuatmen. Doch hat es dieser unvergessliche Moment, dessen Gefühl sich bis heute irgendwo tief im Allyherz hält, nur auf Platz zwei der wichtigsten Lieder dieser Lebensphase geschafft.
Denn gegen Ende November, wenn die Zeitumstellung noch in den Knochen steckt und sich unter den Augen in Form tiefer Krater und Falten abzeichnet, gilt es sich an das zu erinnern und zu schaffen, was für mich von damals an für zwei wundervolle Jahre galt: die Hoffnung und die Angst verlieren. Auf jene warmen Abende, die uns die Feuchte unserer Haut unseren Atem spüren ließen.

Genießt mit mir die Band Kante und das Überwerk "Warmer Abend". Ich für meinen Teil, ganz egal wo ich bin, sitze für die Dauer von nicht ganz vier Minuten auf einem Balkon, nahe des Kino International und Blicke auf den Alex, während die Glut meiner Zigarette herrliche Tänze aufführt. Ich bin mit ihm und mit ihr, wir sind viele und wir sind nichts weiter als da. Ohne Erwartung oder Anspruch. Und alles ist perfekt. (Für Aniko und Thomas und all die anderen)




Kante - Warmer Abend von ElishaVic

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.