Freitag, 20. November 2015

7 Tage / 7 Songs

Halbzeit, Ladies und Gentleman, aber nicht im Sinne einer Pause, hier geht es munter weiter. Mathematikler und Rechengenies aufgemerkt, dass 4/7 geht an 2/3 der Lauschrausch-Familie. Was macht das? Richtig, das ergibt ein neues musikalisches Highlight. 

Gestern habt ihr ja erfahren, dass Anajo der Auslöser für meine Konzertsucht war. Wie mir beim vormichhingrübeln heute auffiel, war es ebenfalls die Zeit, in der sich mein hinterwäldlerischer, von gängigen Radioanstalten abhängiger Musikgeschmack zusehends/zuhörends erweiterte. Abgesehen von einer sehr schweren Hip Hop-Phase, hörte ich da am Rande der Alpen viel SWR3 oder Bayern3 oder eben Papas alte Platten. So weit, so normal. Nun aber fing ich an, in den tiefen dieses Internets, das auf einmal da war, zu störbern. Ich entdeckte Kettcar/Tomte/Element Of Crime für lange Autofahrten und ruhige Momente zu Hause, ließ zu Dancehallrhythem die Füße zappeln und dank der legendären Hörbar im ansonsten so biederen Oberstdorf, entdeckte ich die Art von Musik, die man sonst auf dem österreichischen Alternativ-Radiosender FM4 zu hören bekommt. Das war gut, das war endlich etwas Neues und genau das brauchte ich. Denn es war die Zeit des Aufbruchs. Ich packte mein Leben ins Kartons und verpflanzte mich und eine unverwüstliche Plastikpalme nach Köln. Das Landei in der Ferne, in der großen, unheimlichen Stadt.

Wie das Schicksal es offensichtlich wollte, lernte ich gleich zu Studienbeginn zwei für mich auch heute noch wichtige Menschen kennen. Diese teilten und erweiterten meinen (musikalischen) Horizont stetig. Menschen, die nur durch ein Lächeln, so mitreißend wie es kein Lied zu sein vermag, auch den grausten Tag kurzer Hand in Sonne tunken. Diese Lieblingsmenschen haben drei teils sehr harte und teils unfassbar großartige Jahre zu dem gemacht, was sie meinen Erinnerungen nach sind: ein Glücksfall. Ich habe mich in dieser Zeit sehr verändert. Aus einem schüchternen Mädchen, das sich gern in der Anonymität der Masse versteckt, wurde eine zumindest in viel mehr Fällen souverän wirkende junge Frau. Ich glaube, selbst meine Eltern waren manchmal sehr erstaunt, wer da plötzlich vor ihnen stand.
Ich war auf wirklichwirklichwirklich vielen Konzerten in dieser Zeit, was auch diesen Lieblingsmenschen geschuldet war. Da gab es oft die Frage, essen wir den Monat nochmal was oder kratzen wir das letzte Geld lieber für ein Konzert zusammen. Ich erinnere mich an das allerletzte Konzert der Dirty Pretty Things, die sich während ihrer Tour trennten und irgendwie schafften wir es, noch Karten zu erhalten. Mir ist bis heute schleierhaft, wie dieser Auftritt ohne Schwerverletzte oder eine Panik beendet werden konnte. Das Luxor war total überfüllt und selbst meinen beiden Begleitern war es gegen Ende nicht mehr geheuer. Oder das Florence And The Machine Konzert, im selben Club, vor höchstens 30 Menschen. Ganz großes Kino. Von Amy Winehouse, Miss Li und  Beasteaks bis hin zu den Sportis, Kings Of Leon, Editors und legendären Auftritten der Fotos war alles dabei, was man zwischen 2007 und 2010 so hören musste. Das war natürlich viel Indie, viel Brit-Gedöhns (eine gewisse Adele machte damals gerade von sich reden) und in meinem Fall auch noch mehr deutschsprachige Künstler.

Unfassbar wieviel Musik ich damals entdeckte. Ich verschlang jedes Musikmagazin und war in dieser Zeit in den vielen tollen Musikläden der Stadt unterwegs.
Zwei Alben waren für mich - ja ich weiß es klingt himmelschreiend pathetisch und überzogen - lebensrettend. Ich bekam das "Den Teufel tun" Album von Nils Koppruch geschenkt und zum Ende des ersten Semesters, als ich in einer mittelschweren Krise steckte, waren es immer wieder Nils Worte, die mich aufrichteten, Kraft gaben, auch neuen Antrieb verliehen. Ein Jahr später entdeckte ich in einer meiner zahllosen, durchgemachten Youtube-Nächte, das Lied "Skinny Love". Ich besorgte mir umgehend das dazugehörige Album "For Emma, Forever Ago" und war fortan verliebt in die fragile Musik Bon Ivers. Die langen Zugfahrten zu meinen Eltern, die bittersüßen Momente des heimkehrens, stressige Zeiten oder depressives im-Bett-liegen - Bon Iver half immer und so ist es noch heute.

Die beiden Menschen, von denen eingangs die Rede war, heißen Dirk und Jella und dank beiden fasste ich den Mut zu bloggen. Als Lauschrausch:Kassettendeck hatten wir die
Möglichkeit unser größtes Hobby in Worte zu fassen, konnten nach dem Studium auch über weite Strecken in Kontakt bleiben und freuten uns einfach irreirreirre wenn jemand unsere Texte teilte, mochte oder sich tatsächlich Künstler bei uns für die lieben Worte bedankten. Es scheint Ewigkeiten her und heute fällt es immer schwerer den Kontakt zu erhalten. Aber es klappt. Irgendwie.

Da es leider kaum Lieder in guter Qualität von Nils Koppruchs Erstlingswerk online gibt, entscheide ich mich für 4/7 wie folgt und sende Herzensgrüße ins ewig schöne NRW ;)


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.